Südnorwegen

Am letzten Tag in Trondheim hatten wir doch noch ein bisschen Wetterglück, es wurde plötzlich ziemlich warm. Das nutzten wir für einen Spaziergang auf den Hausberg und eine kleine Nostalgietour zum Unicampus und zum Studentenquartier, in dem ich 2015 gewohnt habe. 
Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Süden, Richtung Dovrefjell-Nationalpark. In dieser Region gibt es Moschusochsen, welche im letzten Jahrhundert erfolgreich wiederangesiedelt wurden. Ein beliebter Aussichtspunkt um die Tiere zu beobachten ist die Snøhetta, eine Holzhütte mit grossen Glasfenstern, aus denen man mit ein wenig Glück die Moschusochsen erspähen kann. Die Landschaft selbst ist schon sehenswert, wenn auch ein wenig abstrakt; Flechten und spärliche Grasbüschel welche über die sonst eher kargen Felsen wachsen, leuchten in einem speziellen Grün. Dass hier so grosse Tiere leben, kann man sich fast nicht vorstellen. Wir wussten nicht, um welche Jahreszeit die besten Chancen bestehen, um die Moschusochsen zu sehen, daher machten wir uns nicht mit allzu grossen Hoffnungen auf dem Weg zum Aussichtspunkt. Von der Hütte aus konnten wir dann trotz Feldstecher keine Tiere sehen, daher kehrten wir bald um. Moschusochsen haben ein sehr langes Fell und sie sehen ein bisschen aus wie grosse Grasbüschel. Daher mussten wir auch zweimal hinsehen, als wir auf dem Rückweg ein haariges Etwas zwischen den Felsblöcken rumlaufen sahen. Der Blick durch den Feldstecher bestätigte: ein Moschusochse. Zuerst war er noch mit Fressen beschäftigt und man sah seinen Kopf nicht, was es ziemlich schwierig machte, ihn von der Umgebung zu unterscheiden. Doch bald fing er an, sich in unsere Richtung zu bewegen. Wir beobachteten ihn bis er uns schon fast ein wenig zu nah kam und zogen uns dann zum Auto zurück. Man soll nämlich immer ca. 200 m Abstand bewahren, was ich bei so einem grossen Tier auch gerne tat 😉. Schon wieder auf der Strasse und immer noch ein wenig geflasht von unserer Moschusochsen-Begegnung, lief uns noch ein Elch über den Weg, und diesmal sogar vor die Linse.

Das nächste Ziel war der Atlanterhavsvegen, ein ca. 8 km Strassenabschnitt der mit schwungvollen Brücken die Küstenorte südlich von Kristianssund verbindet. Die Strasse wird oft als eine der spektakulärsten der Welt bezeichnet, da sie nah am Wasser entlang führt und bei stürmischem Wetter die Fahrt ziemlich abenteuerlich gestalten kann. Es war aber kein stürmisches Wetter und die Parkplätze bei der Hauptbrücke waren voll mit Reisecars. Wir machten unser Touri-Foto und fuhren weiter Richtung Geirangerfjord. Wir beschlossen, die Trollstigen-Route zu nehmen, eine in die steilen Felswände eingeklemmte Passstrasse, die sich mit unzähligen Haarnadelkurven den Berg hochschlängelt. Die Wasserfälle, die hinter der Strasse runterdonnern, machen die Fahrt umso beeindruckender. Da kommt man auch als „passerfahrener“ Schweizer auf seine Kosten. Am nächsten Tag erreichten wir den Ort Geiranger. Vor 4 Jahren habe ich den Fjord noch ziemlich ausgestorben angetroffen, die Feriensaison hatte damals noch nicht angefangen und die Fähren fuhren noch nicht. Diesmal war es ganz anders, zwei riesige Kreuzfahrtschiffe lagen im Hafen und luden mithilfe von kleineren Booten schaarenweise Touristen ab, welche wiederum auf Busse verteilt wurden. Währendessen kauften wir uns ein ziemlich teures Ticket für die Fähre durch den Fjord nach Hellesylt. Die Verkäuferin teilte uns noch mit, dass man auch die Strasse rundherum nehmen kann, falls es zu teuer sei. Anscheinend müssen sie die Fahrt nicht bewerben, um die Fähren voll zu kriegen. Es war aber sehr schön, einfach an Deck zu sitzen und die zahlreichen Wasserfälle zu bestaunen und darüber nachzudenken warum man früher Bauernhöfe an diese steilen Hügel gebaut hat.

In Hellesylt angekommen ging es dann weiter Richtung Hoddevik. Hoddevik ist ein kleiner Ort in einem eher abgelegenen Tal und vor allem für Surfer interessant. Neben den Lofoten ist Hoddevik nämlich einer der besten Surfspots von Norwegen. Wir waren jetzt schon ein paar Tage in den westlichen Fjorden unterwegs und haben gemerkt, dass sich die Strassen hier ein wenig von normalen Überlandstrassen unterscheiden. Ständig fährt man über hohe Brücken oder lange Tunnels, welche unter dem Meer hindurchführen. Oft gibt es auch keinen anderen Weg als eine Fähre zu nehmen, um lange Umwege um die Fjorde zu verhindern. Der Weg nach Hoddevik führte uns dann über drei Passstrassen, eine enger als die andere. Man musste ausserdem aufpassen, dass man keine Schafe überfuhr, welche sich gerne an den Strassenrand legten oder gemächlich über die Strasse liefen. Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass irgendwo hinter diesen Pässen ein Surfstrand lag. Doch nach einer letzten haarsträubenden Fahrt entlang einer Serpentinenstrasse, welche kaum genug breit für unser Bus war, erreichten wir das kleine grüne Tal in dem Hoddevik lag. Der einfache Camping grenzte direkt an den Strand und um einzuchecken musste man einfach beim Haus der Besitzerin läuten, die gleich nebenan wohnte. Bis auf ein paar Surfer waren noch nicht viele Gäste da. Leider war weder der Wetterbericht noch die Surfvorhersage sehr positiv, aber wir beschlossen, ein paar Tage dort zu bleiben. Der Strand war wunderschön, aber nach 1.5 Tagen Regen waren wir ein bisschen gelangweilt. Am letzten Tag zeigte sich dann aber doch noch die Sonne und wir genossen eine Surfsession bei kleinen, aber nicht mal so schlechten Wellen.

Unser nächstes Ziel war Bergen. Je näher wir der Stadt kamen, desto breiter wurden die Strassen und es geschahen zwei Dinge, die wir uns nicht mehr gewohnt waren: Es hatte Stau und es wurde heiss. Und zwar richtig heiss, der Thermometer zeigte 28° Grad an und wir erlebten unser erstes Sommergewitter in Norwegen. Es fühlte sich etwas surreal an, da wir vor ein paar Tagen noch Pässe mit Schneefeldern überquert hatten. Wir genossen es, ohne dicke Daunenjacken rumzulaufen und uns mal über die Hitze statt die Kälte zu beschweren ;-).

Nach Bergen machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Stavanger und danach richteten wir uns auf einem Campingplatz in Bore ein, nahe einem Sandstrand mit Potential zum Surfen. Die Sonne schien und wir wollten das gute Wetter nutzen, um endlich wieder mal Wäsche zu waschen und ein bisschen aufzuräumen (was sich als schwieriger herausstellte als gedacht, weil es bald wieder anfing zu regnen). Nach 2 Tagen und einer letzten Surfsession fuhren wir die letzten Kilometer nach Kristianssand, von wo aus wir mit der Fähre nach Dänemark übersetzen wollten. Norwegen zeigte sich noch einmal von seiner besten Seite, die Sonne schien und es war schön warm (ein bisschen gemein, schliesslich regnete es ziemlich oft während wir unterwegs waren). Schon über 10’000 km hatten wir zurückgelegt, seit wir von Rüdlingen aus gestartet sind. Unser Auto hat immer alles brav mitgemacht, jede noch so enge Passstrasse hat es mit Bravour gemeistert. Es wurde sogar schon einmal angefahren (beim Abbiegen hatte der Fahrer vor uns sein Auto nicht im Griff: er hielt plötzlich an, rollte weit rückwärts, stiess zweimal gegen unseren Van und fuhr einfach davon), doch bis auf eine kleine Delle ist nichts passiert. Wir hoffen natürlich, dass das so gut weitergeht. Norwegen war wunderschön, die Landschaft die man antrifft macht einem oft sprachlos und das Autofahren ist immer wieder abenteuerlich. Ein bisschen traurig waren wir schon, als die Fähre nach Dänemark ablegte, aber wir freuen uns auch auf neue Länder, neue Surfspots und eventuell ein bisschen besseres Wetter (die vielen Fotos mit schönem Wetter sind natürlich ein wenig irreführend).

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